Die wirklich letzten Radeltage

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Wir radeln weiter eher bergab, an einem wunderschönen Bergfluss entlang, das bischne Laub, das noch an den Bäumen hängt,  ist schön gefärbt. In jedem Dorf gibt’s Gemüse und alles zu kaufen und wir genießen diesen Abschnitt sehr. Selbst der in unserer Erinnerung furchtbare „Kizart-Ashusu“ erweist sich in Sonnenschein statt regen und mit dem Wind gefahren als hübscher nicht wahnsinnig anstrenger Pass. Woran wir uns allerdings richtig erinnert haben, ist das auf der Ostseite die Straße richtig schlecht ist. Wir hopsen über Wellblech und Steine durch Schlaglöcher hinunter, dabei springt eien meienr Taschen 2 mal vom Rad und Hannes verliert die Trinkflasche, die wir am Kegeti-Pass gefunden hatten.

Wieder einmal zelten wir bei einem verlassen Haus, auch wieder mit Bergpanorama und kleinem Bach. Wunderschön! Jetzt werden wir auch ein bischen wehmütig, das die Reise schon wieder fast vorbei ist. Die 2,5 Monate gingen doch schnell rum, obwohl es sich am Anfang angefühlt hatte als wären wir sehr lange unterwegs.

In Kochkor kaufe ich mir bei der Filz-Kooperative noch nen schicken Hut und dann fahren wir Taxi bis Tokmok. Am ersten großen Kreisel steigen wir aus und wieder auf die Räder. Wir kommen nicht weit: Ein großer Supermarkt zieht uns in seinen Bann und wir kaufen jede Menge guter Dinge: Müsli, Frischkäse, Bier, Chips J.

Wir werden jetzt wieder die Strecke fahren, die wir zu Beginn der Tour geradelt sind und somit ein weiteres Mal die Hauptstraße vermeiden. Ein paar Kilometer Richtung Döng.Alish radeln wir noch und dann zelten wir auf einem abgeernteten Feld hinter einem großen Gebüsch und verspeisen unsre Schätze.

Auch am nächsten Tag zelten wir idyllisch an einem Bach und trinken Bier, jetzt wird das hier doch noch richtig Urlaub J Jetzt kommen wir zu unsren letzten 2 Zielen, warmen Quellen und dann am Tag darauf der Ala-Archa Nationalpark.

Leider kommt es noch zu einem unschönen Zwischenfall: Der Nudeltopf greift mich an! Beim Abschütten springt er aus der Greifzange und das heiße Wasser läuft mir über den Fuß. Ich check es erstmal gar nicht richtig, und lauf ein paar Schritte weg, erst als Hannes mit anschreit ich soll den Schuh ausziehn, mach ich das, kam vorher gar nicht auf die Idee… Zum Glück ist der Bach nah und Hannes gibt die ganze Zeit kaltes Wasser nach. Eine fette Brandblase gibt’s trotzdem. Zu den Warmen Quellen sind noch ein paar Kilometer, aber mit offenem Schuh lässt es sich okay radeln. Die Quellen entpuppen sich als richtiges Schwimmbad im Sowjetstil mit riesigen Delfinpostern verziert, witzig! Ich halte meinen verbrannten Fuß aus dem ´Wasser und dümpel vor mich hin, während Hannes ein paar Bahnen schwimmt und wie alle anderen verschiedene Sprünge ins Wasser macht. Wir zelten ganz hübsch aber leider ungeschickt zu erreichen zwischen Straße und Fluss, leider ist es hier schon wieder entweder bebaut oder eben steil.

Auf dem Weg zum Ala-Archa Canyon „bewundern“ wir ausgiebig die Smogwolke über Bishkek, Industrie und Kohleheizungen verursachen diese Wolke.

Kurz vorm Nationalparkeingang bewerfen wir noch 2 gemeine Hunde mit Steinen. Im Park ist es hübsch, aber auch sehr voll, viele Leute picknicken und machen Lagerfeuer. Wir suchen uns ein schönes Plätzchen und werden prompt von unsren Nachbarn zum Abendessen eingeladen es gibt Kartoffel-Kanincheneintopf. Die beiden sprechen etwas englisch und er auch deutsch. Sie studieren in Bishkek und werden das nächste Jahr bei einem Auslandpraktikum in Norwegen verbringen. Wir haben einen netten Abend. Am nächsten Tag wollen wir wandern, morgens frühstücken wir erstmal gemütlich und laufen so gegen 10 Uhr los. Auf halbem Weg zum Wasserfall wird das Wetter auf einmal sehr ungemütlich, Windböen und Schneeregen. Wir haben noch nicht mal Regenjacken mit weil morgens die Sonne geschienen hatte und drehen um. Eine halbe Stunde später scheint wieder die Sonne. Auch recht… Wir verbringen einen ruhigen Nachmittag und suchen uns einen von der Straße nicht einsehbaren Zeltplatz. Mitten in der Nacht schrecken wir hoch, weil Schüsse fallen. Wilderer? Wir wissen es nicht, vermuten aber im Nachhinein eher das einer von den Rangern rumgeballert hat. Es stiefelt nämlich kurz darauf jemand mit einer großen Taschenlampe an unsrem Zelt vorbei. Dann ist ruhe. Wir schlafen weiter und düsen früh am nächsten Morgen nach Bishkek. Erstaunlicherweise ist wenig Verkehr auf unsrer Strecke, nur die letzten 2-3 km sind wir so richtig im Stadtverkehr, noch am Vormittag trudeln wir im Friends Guesthouse ein. Dort treffen wir Arne wieder, den wir natürlich in Osh kennengelernt hatten. Leider ist Nuric, der Besitzer des Guesthouses nicht da, nur sein seltsamer Mitarbeiter, ders nicht so richtig checkt.

Wir verbringen unsre letzten 2,5 Tage damit über den Basar zu schlendern und allerhand nützliche Dinge, wie Teesiebe, einen Besen und warme Schuheinlagen zu kaufen. Außerdem dürfen  natürlich auch ein paar Kirgisische Klamotten nicht fehlen. An unsrem Siteseeing Tag regnet es leider, so dass wir die meiste Zeit in Restaurants verbringen.

Auch der Rückflug und die Flixbusfahrt zurück nach Heidelberg verliefen problemlos. Nur gab es zu wenig zu essen im Flieger J

Es war eine superschöne Reise und wir sind gut erholt und voller Inspiration und neuen Plänen.

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Die letzten Radelwochen in Kirgistan

Mittlerweile hat uns der Schreibtischalltag wieder ganz schön eingeholt, deshalb kommt unser letzter Reisebericht auch mit etwas Verspätung daher.

Das Herbstliche Wetter schlug an unsrem Abreisetag in Osh voll zu und es regnete in Strömen. Glücklicherweise hatten wir schon am Vorabend mit Simon und Devena, einem englischen Pärchen mit ausgebautem Sprinter, ausgemacht, dass sie uns bis zur Abzweigung nach Arslanbob mitnehmen.

Unterwegs überholten wir zwei schweizer Radler die am Vortag losgefahren waren und fütterten Sie mit Schokolade, wie man das als guter Autoreisender mit Radfahrern machen sollte.

An der Abzweigung aßen wir dann ein sehr, sehr leckerer Lacman miteinander und verabschiedeten uns. Wir versuchen also weiter zu trampen, viele nette hilfsbereite Leute mit Kleinwagen halten an, können uns aber natürlich nicht mitnehmen. Ein Mann bastelt uns ein Schild und nach ca. 2 Stunden hält ein Kleinlaster. Wir vermuten es ist eines der Transportertaxi, mit denen man Güter verschicken und mitfahren kann (wir hatten davon gelesen). Für 700 Som (ca. 8 Euro) werden wir ins 200km entfernte Kara-Köl am Toktogul-See mitgenommen. Von hier soll die Hauptstraße durch schöne Landschaft führen. Das tut Sie auch! Bereits 40km vor Kara-Köl ist der Narin-Fluss aufgestaut und von schroffen Felsen gesäumt. Hier fahren wir im Auto an 3 weiteren Bekannten aus Osh vorbei, Daniel, Antoine und Stefan, diesmal können wir leider nicht an halten, da wir ja in einem öffentlichen Verkehrsmittel sind.

Über Hügel am Toktogul-See entlang ist es sehr schön und der Verkehr ist erträglich, auf diesem Abschnitt gab es 3-4 blöde Hunde, aber das waren so ziemlich die einzigen auf der ganzen Reise. Beim Mittagessen bemerken wir, dass wir unsre Löffel in Osh vergessen haben, Mist! In Toktogul versuchen wir erfolglos verschiedenen Restaurants welche abzukaufen, auch der Supermarkt gibt nicht 2 Löffel aus einem 24 teiligen Set her (irgendwie verständlich…), schließlich schenkt uns die Besitzerin eines kleinen Ladens zwei aus ihrer Küche.

Nach Toktogul geht’s wieder zurück in die Berge zwei Tage lang radeln wir Richtung …..Pass, an einem hübschen Gebirgsbach entlang, unterwegs gibt es immer wieder Stände an denen Honig verkauft wird. Wir halten an um unser Fläschen aufzufüllen. Der Herr führt uns zu einem riesigen Bottich mit Honig und Hannes löffelt mit Engelsgeduld den dickflüssigen Honig um. Nach ca. 20 Minuten gibt er auf, der Mann findet aber, dass wir noch nicht genug haben und holt wunderbar flüssigen Honig hervor, der sich natürlich viel leichter umfüllen lässt. Wieder mal dürfen wir nicht bezahlen und werden herzlich verabschiedet.

3-4km vor dem Pass fängt es an zu Schneeregnen, obwohl es erst halb drei ist, beschließen wir die Chance zu nutzen und in einem leerstehenden Haus zu zelten. Das erweist sich als sehr gute Entscheidung, wir haben es nachts  noch relativ warum und es schneit auch weiter. Als wir morgens losfahren heult uns leider ein eiskalter starker Wind entgegen, kurz vor dem Pass steht dann die Sonne hochgenug und wir tauen auf. Jetzt können wir die superschöne Winterlandschaft genießen!! Auf der anderen Seite fällt die Straße nur sehr allmählich, es ist wunderschön! Nach ca.15km Abfahrt kommen wir an eine Kreuzung mit Restaurants und kehren erst einmal ein. Es war doch ganz schön kalt, merken wir jetzt wo wir im warmen sitzen!

Immer weiter leicht bergab düsen wir dahin, so langsam nimmt der Verkehr zu und ca. 20km vor der Kreuzung, wo wir wieder auf eine unbefestigte Straße abbiegen wollen, wird die Hauptstraße schmäler. Jetzt flüchten wir häufiger aufs Bankett und die letzten 3 km zur Kreuzung fahren wir ganz neben der Straße. Es ist Sonntagabend und wirklich viel Verkehr. Wir sind sehr froh, dass wir nicht auf direktem Weg über den Töö Ashusu nach Bishkek wollen, sondern gemächlich über Suusamir nach Kochkor radeln und dann ein Taxi nehmen.

Kurz nach dem Abzweig zelten wir dann sehr idyllisch an einem Bächchen mit 360° Bergpanorama, es ist sogar „warm“ und wir sitzen bis Sonnenuntergang vorm Zelt.

Alles in Allem waren wir aber mit der Streckenwahl „Hauptstraße“ zufrieden, bis auf die letzten km war der Verkehr okay und die Landschaft war wirklich super! Und es haben öfter mal Kleinlaster angehalten und die Fahrer wollten uns unbedingt mitnehmen, wir hätten also jeder Zeit schnell nach Bishkek kommen können.

Hannes beim Versuch dem Schäfer zu helfen die Herde die wegen uns von der Straße „abgekommen“ ist wiede dorthin zurückzubringen.

 

Entspurt zurueck nach Osh

Bazar in Murghab

Leckeres Abendessen im Surob Guesthouse

Ak Baital Pass nach Murghab

Aussicht vom Homestay

Der Grenzpass

Zum Glueck ist das hier die Abfahrt!

Aus Murghab radlen wir bei schoenstem Sonnenschein gemuetlich auf Asphalt Richtung Grenze. Nachts wirs jetzt, weil es so klar ist immer so kalt, dass wir alles anziehen was warm macht und besonders das naechliche Pinkeln ist recht frostig. Dafuer ist der Sternenhimmel hier oben wunderbar. Aber wegen dem vielen Wind wirds auch tagsueber nicht mehr so richtig gemuetlich. Auserdem ist die Passabfahrt auf dem Weg nach Karakul das mit Abstand schlechteste Stueck Strasse das wir im ganzen Pamir finden konnten. Da sind wir froh, das wir Romain wieder treffen, zu dritt friert sichs leichter:-)Zusammen radeln wir nach  Karakul. Dort gehen wir nochmal shoppen, geniesen bei einer sonnigen und windgecshuetzten Mittagspause die Aussicht auf den See und   Uebernachten ebenfalls windgeschuetzt unter einer Bruecke. Dann gehts rauf zur Grenze, wo uns die Tadjikischen Drogenkontrolleuere zu Tee und Brot in ihr beheiztes Buero einladen. Die Abfahrt zur Kirgisischen Grenze geht flott, die Murmeltiere sind wohl schon im Winterschlaf. Ueber die Ebende blaest uns dann ein kraeftiger Ruckenwind nach Sary Tasch. Dort angekommen finden wir das uns empfohlene Schamurat Homestay. Es ist zwar niemand zu Hause aber die Nachbarin ruft Schamurat an, der kommt und laesst uns rein. Eine sehr coole Unterkunft, man kann tagsueber die Kueche selber benutzen, und wenn man im Garten zeltet kostes mit grossem Abendessen und riesigem Fruehstuck 500 Som. Einer der wenigen Homestays wo es mehr essen gab als ich essen konnte:-) Den Pass hinter Sary Tasch lassen wir uns dann zur Haelfte von einem Kohle LKW hochziehen. Dank Romains Motivation und Windschatten schaffens wirs dann bis kurz vor Gulcho. Am Naechsten morgen jagen wir am Pass immer wieder die kleinen Hyundai Porters, kleine LKWs an die man sich ganz gut dranhaengen kann, aber die Pass ist nicht so steil, deshalb fahren sie fast immer zu schnell. Auch die berittenen Hirten wollen unser Tauschangebot Rad gegen Pferd nicht annehmen, also strampeln wir halt hoch. Oben angekommen faengts an zu regnen. Also gehts in Regenklamotten, die wir bisher auf der Reise kaum gebraucht haben bergab. Da viele Viehherden nach Osch zum Markt getrieben werden ist die Strasse und irgendwann auch wir mit einer Mischung aus Mist und Regenwasser bedeckt. Mittagspause machen wir im Restaurant, schlafen dananch eine Runde hinter dem Tisch, was die Bedienung ziemlich amuesiert, dann gehts rein in die Stadt, durchs Verkehrsgewimmel und zum Tes Guesthouse. Dort gibts noch mehr Radler, Pizza und Bier und zum Zelt aufstellen hoert dann auch der Regen auf. Die naechsten Tage verbringen wir morgends am Fruehstuecksbuffet, Mittags auf dem Markt und abends in der Kueche. Es gibt Kartoffelgratin, Linse ond Spaetzle und jeden Tag Kuchen. Die Koechin im Guesthouse hat sich heute morgen Kuchenrezepte von uns aufmalen lassen. Wir geniesen die entspannte Stimmung und shcmieden Plaene fuer unsre letzten 2 Radelwochen.

Der erste Schnee

Bis Langar radeln wir gemütlich am Fluß entlang vorbei an Feldern auf denen mal mit Ochs- oder Eselgespannen mal mit Traktoren und Dreschmaschinen gedroschen wird. In der Ferne sieht man immer wieder den Hindukusch. Als wir eimal einmal einen Hirten fragen, ob wir auf der Wiese zelten dürfen und er dafür Geld will sind wir etwas genervt und vor allem überrascht weil wir ansonsten immer zu Brot, Tee und Übernachtungen so oft eingeladen werden das wir meist ablehnen. Am nächsten Morgen schlägt dann auch unser Versuch Brot zu kaufen wie fast immer fehl. Die beiden älteren Herren, die wir fragen wo wir welches kaufen können, schenken uns jeweils einen Laib. Überhaupt ist sowohl die Essensversorgung als auch die Straße deutlich besser als wir von Erzählungen von anderen Radlern dachten. Zum Beispiel gabs in Langar im Hotelshop noch Gemüse (aber keine Kohlenhydratbasics). Und in Vrang gabs das letzte Mal alles. Aus Langar raus geht’s dann direkt auf die Hochebene Rauf. Die Landschaft ist vor allem auf der Afghanischen Seite des Pamir Flusses grandios.Weil alle Nase lang Bäche aus den Bergen kommen haben wir kaum Wasser dabei. Deshalb müssen wir abends einmal trotz fiesen Gegensturm, der uns den Straßensand ins Gesicht wirft, weiterradeln. Der erste Bach, der dann kommt ist ein Rastplatz der Hirten, die gerade alle dabei sind ihr Vieh nach Langar zu treiben. Aber weil wir ziemlich platt sind und es eine Mauer als Windschutz gibt zelten wir eben in der (eingetrockneten) Kuhscheise. Es kann nicht jeden Tag eine idylische Bergwiese sein! Am nächsten Tag kommen wir nach ziemlichem Sandgewuehle am Militär Checkpoint von Kargusch an. Die Soldaten sind wie an allen Checkpoint’s sehr nett.sie lassen uns neben der Kaserne zelten und schenken uns ganz hervorragend frische Brote. Einer erzählt, dass die Chinesische Regierung die Kaserne ausbauen und ausstatten lässt. Mittlerweile schneit es oben in den Bergen jede Nacht und jeden morgen sehen wir, wie wir und die Schneefallgrenze uns näher kommen. Tagsüber ists aber meistens sonnig und auch noch warm genug zum gemütlich Pause machen, zumindest wenn der Wind nicht bläst. Am Kokjigit See ists dann soweit: als wir morgens aus dem Zelt krabbeln ist alles weis.wir sind ganz aus dem Häuschen, weil alles so hübsch aussieht. Auserdem müssen wir unser Frühstückswasser nicht aus dem etwas schmodderigen See filtern sondern können Grießbrei aus geschmolzenem Schnee kochen. Dann geht’s über viele vom schon wieder schmelzenden Schnee gefüllte Bäche Richtung Jarty Gumbez. Das hatten wir uns irgendwie toller vorgestellt. Im Jagdcamp sind die Leute mega unfreundlich und auf dem weg zum Guesthouse bleibt Julia im schwefeligen Stinkeschlamm stecken. (Empfehlung an andre Radler: zerrt das Rad nicht über die Brücke wenn ihr nicht im Guesthouse schlafen wollt) Dann gibt’s viel Spiegelei und Joghurt. Nach dem essen baden wir dann ausgiebig in der heißen Quelle. Weil uns die Leute nicht so recht sympathisch sind und schon essen und baden relativ teuer waren, uebernachten wir nicht, sondern radeln noch eine Stunde bis wir zu einem der vielen verlassenen Häusern kommen. Netterweise lassen die Hirten, wenn sie ins Tal ziehen, ihre Häuser offen, sodass die Radler, die meinen im Herbst über die Pamir-Hochebenen fahren zu müssen, geschützt vor Wind und Schnee uebernachten können. Weil wir nicht recht wissen, wie lange unser Gas reicht, kochen wir manchmal auf Kuhmist. Wenn man noch ein paar Stücke Holz findet gehts, aber heute gibts nur Mist, der macht mehr Qualm als Hitze. Dafür riechen wir jetzt wie orginal Pamir Hirten. Eigentlich ist unser Plan noch einen Schlenker Richtung China zu fahren, aber der Fluss, der auf dem Weg liegt, ist wegen dem neuen Schnee bestimmt acht Meter breit und sieht auch eher Hüft- als Knöcheltief aus. Da wir den alternativen Abzweig nicht so recht finden und Julia Panik vor dem aufziehenden Winter hat, beschließen wir nach einigem hin und her doch direkt auf die M41 Richtung Murghab zu radeln. Wir treffen noch ein paar Hirten bei denen wir unsere neue Russisch Vokabel ausführlich benutzen können: cholodna bedeutet kalt.seit Langar sagen uns alle, dass es doch jetzt hier oben zu kalt sei und wir antworten tapfer: niet! Palatko karachow! Also :ach was mit dem Zelt ists gut. Aber ehrlich gesagt wirds schon langsam frisch. Im Schlafsack und beim radeln ist okay aber zum einfach rumsitzen und Pause machen ists schon manchmal kalt. [Die Schreibweise der russischen Worte ist frei erfunden]. Jetzt sind wir also in Murghab.Auf dem Weg hierher haben wir das erste mal Yaks ganz aus der Nähe gesehen. Hier ist es zwar nicht wirklich schön, aber im Surgob Guesthouse ists nett, das Essen lecker, Kartoffelbrei und Buchweizen mit Gemüse, und die Besitzer können englisch. Das Pamir Hotel fanden wir nicht so ansprechend mit Wachmann vor der Türe. Im Restaurant haben wir trotzdem zu Mittag gegessen. Wie uns schon mehrere Radler berichteten gibt es dort Hühnchen mit einer Kartoffel, so auch bei uns, wir vermuten, dass es immer dieses Gericht gibt. Ein anderer Gast war damit überhaupt nicht einverstanden und hat sich lautstark beschwert um schließlich doch in Höchstgeschwindigkeit sein Hühnchen zu verspeisen und dann über die Rechnung zu murren. Auf dem Bazar gabs auch alles und morgen treten wir den Rückweg nach Osh an.

Auf ins Wakhan Valley-Khorog nach Togguz (Bibi Fatima)

Wir fandenKhorog zwar nicht schön, blieben aber dennoch 3 Nächte. Zum einen weil die Magen-Darm Probleme, die wir mittlerweile als die uns aus Südamerika wohlbekannten Giardia-Parasiten, identifiziert hatten uns ein wenig fertig machten uns zum andern wegen der netten Gesellschaft. Kilian und Jörg hatten wir schon beim radeln kennengelernt und in der „pamir lodge“ gesellten sich noch Arne und Manu dazu. Alle waren schon min. seit dem Frühjahr unterwegs und es gab viel zu erzählen. Außerdem mussten wir auch ein paar Dinge erledigen, wie in der Touriinfo die Eintritt skarten für den Zorkul Nationalpark durch den wir noch radeln wollen besorgen, zur Apotheke gehn, Geld abheben(die Bank war von ausen kaum als solche zu erkennen) und mit der Radlermeute im indischen Restaurant essen gehn. Dort entbrannte eine wilde Diskussion, was nötiges Radreiseutensil ist und was nicht. Die meisten hatten z.B. einen Laptop mit aber kein Kochöl, das war uns ziemlich unverständlich, da wir auch gerade erst all die tollen Dinge entdecken die so ein Smartphone kann ;). Leider wollten wir alle durch unterschiedliche Täler weiterfahren und so trennten sich die Wege.

Wir starten also ins wakhan valley und zwar auf Asphalt! Der hält bis nach Darshai! Aber eins nach dem andern. Wir radeln etwas lahmarschig vor uns hin und kommen nach einem späten Start nicht recht voran.Auch weil wir immer wenn wir stoppen eingeladen werde und was geschenkt bekommen. Während Hannes sich ein echtes Pamirihaus anschaut und mit ca.3kg Äpfel, Pfirsichen und Tomaten wiederkommt, sitze ich an der Straße und warte. Ein Auto stoppt, ein älterer Herr steigt aus, bedeutet mir zu warten und kommt kurz darauf mit einem Arm voll Tomaten zurück, die er bei mir abläd. Äußerst nett und wir sind auch begeister, nur als wir kurz darauf nocheinmal eine Tüte mit Äpfeln aufgenötigt bekommen verwandelt sich unsre Begeisterung langsam in Verzweiflung. .. nach 35 km erklären wir den Tag für beendet. Wir richten uns hinter einem Felsblock häuslich ein und haben gerade zu kochen begonnen, als Ali aus Bielefeld vorbeikommt. Er lebt mit seiner Familie seit einigen Jahren in Deutschland und besucht gerade seinen Bruder. Da wir ja schon kochen schlagen wir seine Einladung zunächst aus. Er geht und kommt mit Tee, Brot, Schockolade uuuuuund RICHTIG! !noch mehr Äpfel wieder, wir unterhalten uns eine Weile und lassen uns doch noch überreden mitvzu seinem Bruder Duschanbe nach Hause zu kommen. Dort essen wir doch noch mit, leckere Suppe mit Fleisch. Nach weiteren Gesprächen werden die Schlafmatten ausgebreitet und fast sofort fangen alle zu schnarchen an.Gut das wir Ohrstöpsel mithaben! Nach soviel Familienanschluss steht uns erstmal der Sinn nach zelten. Wir geben uns alle Mühe das ganze Obst zu verspeisen und kochen oft Apfelmus zum Nachtisch (nach einigen holprigen Kilometern ist das schon gut vorbereitet). In Ishkashim nutzen wir die recht umfangreichen Einkaufsmöglichkeiten und essen im Restaurant. Unterwegs begegnen wir immer wieder Patrouillen, 5-6 tadschikische Soldaten gehen hintereinander die Straße entlang und beobachten die Grenze bzw vielleicht auch die schneebedeckten Gipfel des Hindukusch. Wir sind mittlerweile in Togguz angekommen, hier gibt es 7km den Berg hoch ein altes Fort und die heißen Quellen „Bibi Fatima“. Uns wurde Akim’s Homestay wärmstens empfohlen und wir können diese Empfehlung nur weitergeben.Akims Familie ist supernett und das Essen mega lecker. Allerdings sind die Portionen ziemlich klein. Und man muss erstmal ca 1km steil bergauf. Wir hatten das Glück, dass uns 2 später 3 kleine Jungs ungefähr die halbe Strecke angeschoben haben, das war super! Und wir mussten ziemlich lachen, weil in Georgs Hörspiel zum spanisch lernen einer der ersten Sätze: „Entschuldigung, könnten Sie mich ein bischen anschieben?“ war. Wir haben keine Ahnung was das auf russisch geschweige denn tadschikisch oder Pamiri heißt, aber sehr hilfreich wars auf jeden Fall;).

Geschichten aus dem Bartangtal

Wir radeln, etwas platt und ziemlich staubig, nach Bopasor rein. Da kommen drei Frauen auf uns zu und laden uns enthusiastisch zu einer Hochzeit ein. Wir kommen also mit, stellen die Räder neben der Tanzwiese ab und werden ins Haus gelotst. Dort gibt es wie in allen Pamir Häusern in denen wir zu Gast waren Kniehohe mit Teppich und Fellen gepolsterte Podeste auf die man zum essen sitzt, auf denen man sich aber auch nach dem Essen wunderbar hinflaetzen kann. Geschlafen wird ebenfalls darauf. Wir werden mit Reisgericht, Wurstsalat, Wassermelone, Brot und Schokolade wunderbar verköstigt. Eine der Frauen, die uns aufgelesen hatten, erklärt das die Braut die jüngste Tochter ihrer Schwester ist und abends dann ins Dorf des Bräutigams zieht. Die Hochzeitsgesellschaft ist sehr bunt gemischt es gibt Frauen in traditionellen bunten Gewändern mit und ohne Tuch auf Kopf oder Gesicht aber auch welche in Militär Jacken oder T-shirts. Auch bei den Männern war von Gewand mit Hut bis Kapuzenpulli alles dabei. Das war ganz angenehm da mussten wir uns nicht ganz so underdressed fühlen. Nach ein paar Tanzrunden war die Party dann vorbei, die Braut wurde von Klagegesaengen begleitet zum Auto gebracht und fuhr mit dem Bräutigam davon. Auf dem weiteren Weg trafen wir die mit schönen geschnitzten Aussteuerkisten beladene Gesellschaft noch ein paar Mal, weil sie bei jeder Quelle anhielten und Wasser schöpften.

Wir radeln am Panj entlang, es ist schon Abend aber passende Zeltplätze gibt es nur auf der anderen Flussseite und weil dort Afghanistan ist gibt’s keine Bruecken weit und breit. In Past-Bajuv frag ich also ob wir auf der Dorfwiese schlafen können. Dürfen wir natürlich und als wir das Zelt aufgebaut haben kommt die ehemalige Schulleiterin und lädt uns zum Abendessen ein.Bei einem hervorragend leckeren Kartoffelgericht erzählt sie uns dann Schwaenke aus ihrem Leben und der Geschichte der Region Badakhshar. 1993, zu Beginn des Bürgerkrieges hatte sie eine Stelle in Duschanbe floh aber dann zurück hierher. Die Pamir Region war, weil alle Nachbarländer die Grenzen schlossen, komplett von der Ausenwelt abgeschnitten, die LeherInnen arbeiteten ohne Gehalt, aber direkte Kämpfe gab es is den Bergen keine . Außerdem erzählt sie dass es seit dem Zusammenbruch der Sovietunion sehr viel Arbeitslosigkeit gibt, weshalb viele junge Leute im Ausland arbeiten. Von ihren drei Kindern arbeitet einer als Bauingenieur in Moskau, eine ist Lehrerin in Duschanbe und ein Sohn ist Lkw-Fahrer und arbeitslos.

Bartang Valley wilde Landschaft und viel Gastfreundschaft

An dem Punkt wo zwei Reifenspuren die ins Bartang Tal fuehren vom Highway abgehen haben wir nochmal Pause gemacht um vielleicht noch ein paar Radler zu treffen.Hat auch gut geklappt: eine bunte Herde von sieben Radlern auf dem Weg nach Karakul kam vorbei. Sie waren überrascht das wir hier abbiegen. Durch große weite Ebenen mit Blick auf verschneite Gipfel gings dann zur ersten Flussueberquerung. Dort angekommen zog ich mir im sitzen die Schuhe aus und mein Rad fiel mir ins Kreuz. Irgendwas schmerzte dann die nächsten Tage ziemlich sodass Julia an den paar Stellen wo wir schieben mussten immer auch mein Rad mit schieben musste. Vor allem im oberen Teil auf der endlosen Ebene war die Landschaft spektakulär und sehr einsam. Wohnen tut hier niemand. Überhaupt wohnen in der autonomen Region, die etwa die Hälfte der tadschikischen Flaeche einnimmt, nur 3 Prozent der Bevölkerung. Ursprünglich als Puffer Zone zwischen dem Britischen Empire und dem Russischen Zarenreich konnte die Region Gorno Badakschar durch die Zeit der Sovietunion und die Staatsgruendung Tadjikistans aufrecht erhalten werden. Nach drei Tagen auf dem Hochplateau „stürzt“ die Straße dann runter in die Schlucht. Wir waren froh das Tal von oben zu radeln, weil es krass steil insgesamt tausend Hoehenmeter runter ging. Von hier führt die Straße immer direkt am Fluss entlang, das erste Stück noch über sehr viel Geröll. Nach dem ersten Ort Ghudara verläuft die strase oft direkt zwischen Steilwand und Fluss. Leider ist der Fluss voller Sediment so dass das Wasser sehr grau erscheint. Immer wenn es ein bisschen ebene Fläche neben dem Fluß gibt, gibt es auch ein kleines idyllisches Dörfchen mit wahnsinnig gastfreundlichen Menschen. In Basid bekamen wir vom Besitzer des Ladens noch eon wagenradgroßes Brot geschenkt. In Baghu wurden wir beim warten dass der Laden aufmacht vom Nachbarn, einem pensionierten Geografielehrer, zum Tee und kurz vor Khorog waren wir zu Abendbrot und Frühstück eingeladen. Und das sind nur die Gelegenheit en bei denen wir annahmen! Nicht nur die Landschaft sondern auch und vielleicht vorallem die Leute machten diesen reiseabschnitt so toll und besonders.